„2024 war wieder ein ereignisreiches Jahr für die Feuerwehren. Noch zu Jahresbeginn beschäftigten die Einsatzkräfte die Auswirkungen des Weihnachtshochwassers 2023/2024. Im Sommer sorgten Vegetationsbrände sowie Starkregenereignisse für viele Einsätze – darunter die Waldbrände in Gera im Juli und das schwere Unwetter in Erfurt am 15. August 2024. Mit Spannung wurde zudem die Novellierung des Thüringer Brand- und Katastrophenschutzgesetzes erwartet, welches wichtige Impulse für die Zukunft der Feuerwehren setzt“, resümierte der Innenminister.
Ausbildungskapazitäten stark ausgebaut
Ein bedeutender Schwerpunkt im Berichtsjahr 2024 lag auf der Ausbildung der Einsatzkräfte. „Eine qualitativ gute Ausbildung unserer Feuerwehrangehörigen ist die Grundlage jedweder Einsätze. Sie müssen genau wissen, was sie tun. Das sichert zugleich die Gesundheit der Einsatzkräfte“, betonte der Innenminister. Deshalb stünden, so Maier, die Ausbildungskapazitäten an der Thüringer Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule in seinem besonderen Fokus. Diese konnten 2024 deutlich gesteigert werden. Insgesamt nahmen 4.402 Einsatzkräfte – 1.542 mehr als im Vorjahr - an Lehr- und Übungsangeboten teil. Zusätzlich wurden 1.828 Teilnehmer an Übungsanlagen (z.B. Atemschutzanlagen) geschult. Die Zahl der Lehrgänge hat sich um über 40 Prozent von 2023 mit noch 167 auf 236 deutlich gesteigert. In dem Zuge stieg auch die Zahl der Anmeldungen von 2.841 auf 5.158. Die neue Übungshalle bietet nun optimale Bedingungen, um das ganze Jahr über realistische Einsatzszenarien – auch bei Winter- und Schlechtwetter – zu trainieren.
Seit August 2024 steht der völlig neue Online-Auftritt der TLFKS (www.tlfks.de) zur Verfügung. Hier können die Angehörigen der Feuerwehren, die Helfer im Katastrophenschutz, kommunale Bedienstete und alle Interessierten anschauliche Informationen unter anderem zu den Themenbereichen Lehrbetrieb, Übungsanlagen, Organisation, Hintergründe oder Ablaufprozesse abrufen.
Rückgang der Einsatzzahlen
2024 sank erstmals seit drei Jahren die Zahl der Brände und Hilfeleistungseinsätze. Insgesamt rückten die Feuerwehren 36.442 Mal und damit 1.762 Mal weniger aus als im Jahr 2023. 69 % der Einsätze entfielen auf die Hilfeleistung (25.042; 2023: 26.646) und 13 % auf Brandbekämpfung (4.881; 2023: 5.039). Fehlalarmierungen haben leider zugenommen. Zusätzlich mussten die Einsatzkräfte 6.519 Mal grundlos ausrücken. 2023 waren es noch 6.347 Mal.
Besonders gefordert waren die Einsatzkräfte bei 3.553 Verkehrsunfällen (2023: 3.533) sowie bei der Unterstützung des Rettungsdienstes und der Rettung von 3.969 Menschen aus Notlagen (2023: 3.840).
Obwohl Brände insgesamt seltener wurden (Waldbrände -28, Vegetationsbrände -50), stieg die Anzahl der Gebäudebrände weiter an und erreichte den höchsten Wert der vergangenen fünf Jahre (2024: 2.354; 2023: 2.297).
Personalentwicklung: Jugend und Frauen sorgen für die Zukunft der Wehren
Die demografische Entwicklung macht auch vor den Feuerwehren nicht Halt. Die Zahl der aktiven Einsatzkräfte sank leicht auf 34.169 (2023: 34.447). Sie liegt dennoch weiterhin über den Zahlen der Vorjahre 2020 bis 2022. Besonders positiv wirkt sich die starke Jugendfeuerwehrarbeit aus: 957 Jugendliche wechselten 2024 von der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilungen. Die Mitgliederzahl in den Jugendfeuerwehren stieg auf 15.828 – ein Plus von 255 Einsatzkräften. „Ohne Jugend keine Zukunft gilt auch bei der Feuerwehr. Daher freue ich mich gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, dass die Jugendfeuerwehren trotzdem im vierten Jahr hintereinander gewachsen sind. Die vom Innenministerium geförderte Kampagne des Thüringer Feuerwehrverbandes zur Nachwuchsgewinnung wirkt. Genauso richtig ist es, dass die Jugendfeuerwehren ab diesem Jahr doppelt so viel Geld wie in der Vergangenheit erhalten. Dafür habe ich mich lange eingesetzt und nun erhalten die Jugendfeuerwehren damit die Unterstützung und Wertschätzung, die sie verdienen“ erklärt Maier. Das Wachstum der Jugendfeuerwehr hat zudem einen anderen positiven Effekt. In den Jugendfeuerwehren engagieren sich überdurchschnittlich viele Mädchen und junge Frauen. Der Frauenanteil in den Feuerwehren wächst dadurch auch insgesamt. Mit 3.920 Frauen, 122 mehr als im Vorjahr, liegt der Frauenanteil in den Thüringer Feuerwehren nun bei fast 11,5 Prozent (2011-8,9; 2019-9,7; 2023-11,1).
„Ich freue mich, dass der Anteil weiblicher Einsatzkräfte stetig wächst. Das Retter-Gen haben nicht nur Männer, aber die männlich dominierten Strukturen schrecken Frauen oftmals ab, sich im Brandschutz zu engagieren. Ich möchte Frauen weiterhin motivieren, in die Feuerwehren zu gehen und so nach und nach einen Wandel herbeizuführen. Mehr Frauen in den Feuerwehren ist ein Gewinn für alle“, begrüßt Maier diese aus seiner Sicht selbstverständliche Entwicklung.
Technische Ausstattung und finanzielle Unterstützung
Thüringen verfügt flächendeckend über eine sehr gute technische Ausstattung mit 2.008 Löschfahrzeugen, 118 Hubrettungsfahrzeugen und mehr als 3.400 weiteren Fahrzeugen und Anhängern. Die Beschaffung moderner Löschfahrzeuge für den Katastrophenschutz durch das Land kommt auch den kommunalen Feuerwehren zugute.
Die finanzielle Förderung des Brand- und Katastrophenschutzes hatte auch 2024 einen hohen Stellenwert. Das Land Thüringen stellte Zuwendungen in Höhe von fast 29 Millionen Euro bereit, davon rund zehn Millionen Euro als landesweite Feuerwehrpauschale. Über 11 Millionen Euro wurden für Feuerwehrfahrzeuge bewilligt, mehr als 4 Millionen Euro flossen in bauliche Anlagen wie Feuerwehrhäuser und feuerwehrtechnische Zentren.
Zusätzlich investierte das Land über 11 Millionen Euro zur Stärkung des Katastrophenschutzes, unter anderem für die Anschaffung von 24 neuen Fahrzeugen (rund 9,72 Mio. Euro) und die Verbesserung der Ausstattung der vier dezentralen Katastrophenschutzlager. Zuzüglich zu diesen Ausgaben werden die Feuerwehrrente und der Katastrophenschutzfond mit Haushaltsmitteln des Landes aufgestockt. Insbesondere für den Bereich der Digitalisierung im Brand- und Katastrophenschutz, z. B. für die Leitstellen und die digitale Alarmierung, sowie für die Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule stehen weitere Summen zur Verfügung. Werden die einzelnen Summen bilanziert, entstand 2024 ein Finanzierungsvolumen von rund 65 Mio. Euro. Diesem steht das Vorjahresergebnis von rund 44,7 Mio. Euro gegenüber. „Es wird auch in Zukunft in Thüringen nicht an der Sicherheit der Thüringer Bürgerinnen und Bürger gespart“, betont Innenminister Maier.
„Die demographische Entwicklung zwingt uns zu Effizienz in der Technik und Weitblick in der Personalplanung bei den Wehren. Dieser großen Herausforderung stellen wir uns tagein tagaus, um die Bedingungen für die Einsatzkräfte zu verbessern. Ich danke allen Feuerwehrmännern und –frauen und den Familien hinter den Einsatzkräften für ihren Einsatz und Opferbereitschaft. Ihnen allen gilt mein ganz besonderer Respekt“, so Georg Maier abschließend.


